Haarausfall nach der Geburt: Was ist noch normal?
Nach der Geburt verändert sich vieles – manchmal auch die Haarfülle. Einige Wochen oder Monate nach der Entbindung bemerken viele Frauen plötzlich deutlich mehr Haare in der Bürste, im Abfluss oder auf der Kleidung.
Das kann erschrecken. Besonders dann, wenn das Haar während der Schwangerschaft voller und kräftiger geworden war.
In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um einen vorübergehenden und natürlichen Vorgang.
Warum fallen nach der Geburt mehr Haare aus?
Haare durchlaufen verschiedene Wachstumsphasen. Während der Schwangerschaft sorgt der erhöhte Östrogenspiegel dafür, dass besonders viele Haare länger in ihrer Wachstumsphase bleiben. Dadurch fallen weniger Haare aus und das Haar wirkt häufig dichter.
Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel wieder. Viele Haare wechseln nun ungefähr gleichzeitig in ihre Ruhephase und fallen einige Wochen später aus. Mediziner sprechen von einem postpartalen Telogeneffluvium.
Der Haarausfall beginnt häufig etwa zwei bis vier Monate nach der Geburt. Zeitweise können deutlich mehr Haare als gewöhnlich ausfallen. Das wirkt dramatisch, führt normalerweise jedoch nicht zu einem dauerhaften Verlust der Haarwurzeln.
Neue Haare wachsen bereits nach. Bis die gewohnte Fülle wieder sichtbar ist, braucht es allerdings Geduld.
Wie lange dauert postpartaler Haarausfall?
Meist lässt der verstärkte Haarausfall innerhalb einiger Monate wieder nach. Die ursprüngliche Haardichte wird häufig innerhalb von sechs bis zwölf Monaten erreicht.
Gerade am Haaransatz können in dieser Zeit viele kurze, nachwachsende Haare sichtbar werden. Sie sind ein gutes Zeichen: Das Haarwachstum hat bereits wieder begonnen.
Ist das Stillen schuld?
Stillen verursacht keinen Haarausfall.
Bei stillenden Frauen kann sich die hormonelle Umstellung etwas anders oder langsamer entwickeln. Deshalb beginnt der Haarausfall möglicherweise später oder wird erst rund um das Abstillen auffällig.
Dadurch entsteht leicht der Eindruck, das Stillen oder Abstillen habe den Haarverlust ausgelöst. Tatsächlich steht meist weiterhin die hormonelle Veränderung nach der Schwangerschaft im Vordergrund.
Was kann ich selbst tun?
Der natürliche Haarzyklus lässt sich nicht einfach aufhalten. Sie können Ihren Körper in dieser Zeit dennoch sinnvoll unterstützen.
Achten Sie möglichst auf eine abwechslungsreiche Ernährung mit:
ausreichend Eiweiß
Gemüse und Obst
Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten
Nüssen und Samen
hochwertigen pflanzlichen Ölen
Fisch oder geeigneten vegetarischen Alternativen
Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht wahllos eingenommen werden. Besonders Eisen sollte nur dann längerfristig ergänzt werden, wenn ein Mangel festgestellt wurde oder eine entsprechende ärztliche Empfehlung vorliegt.
Behandeln Sie Ihr Haar möglichst schonend:
Vermeiden Sie sehr straffe Frisuren.
Kämmen und bürsten Sie vorsichtig.
Verwenden Sie milde Pflegeprodukte.
Reduzieren Sie starke Hitze durch Föhn oder Glätteisen.
Verzichten Sie möglichst auf aggressive chemische Behandlungen.
Auch Erholung, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Schlaf sind hilfreich – soweit das Leben mit einem Baby dies zulässt. Perfektion ist in dieser Lebensphase weder möglich noch erforderlich.
Wann sollte der Haarausfall untersucht werden?
Nicht jeder Haarausfall nach einer Geburt ist ausschließlich hormonell bedingt. Eine medizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn:
der Haarausfall sehr stark ist oder weiter zunimmt,
kahle oder scharf begrenzte Stellen entstehen,
die Kopfhaut entzündet ist, stark juckt oder schmerzt,
Augenbrauen oder andere Körperhaare ebenfalls ausfallen,
der Haarausfall länger als etwa sechs bis zwölf Monate anhält,
zusätzlich starke Erschöpfung, Schwindel oder Herzklopfen auftreten,
Sie auffällig frieren, an Gewicht zunehmen oder unter Verstopfung leiden,
bei der Geburt ein größerer Blutverlust aufgetreten ist.
Hinter anhaltendem Haarausfall können beispielsweise ein Eisenmangel, eine Blutarmut, eine Schilddrüsenstörung, eine unzureichende Nährstoffversorgung oder eine andere Form des Haarverlustes stehen.
Je nach Beschwerden können unter anderem ein Blutbild, der Eisenstatus und die Schilddrüsenwerte sinnvoll sein.
Können Stress und eine belastende Geburt eine Rolle spielen?
Eine Geburt fordert den Organismus körperlich und emotional. Schlafmangel, Erschöpfung, Infekte, Blutverlust, eine Operation oder anhaltender psychischer Stress können einen diffusen Haarausfall zusätzlich verstärken.
Auch die persönlichen Erfahrungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett verdienen Aufmerksamkeit. Manche Frauen fühlen sich nach einer schwierigen oder als übergriffig erlebten Geburt noch lange angespannt, verletzt oder erschöpft.
Solche Beschwerden sollten nicht vorschnell als bloße Begleiterscheinungen des Mutterseins abgetan werden. Sie dürfen angesprochen und bei Bedarf gezielt behandelt werden.
Wie kann eine individuelle Behandlung unterstützen?
Wenn der Haarausfall ungewöhnlich stark ist, lange anhält oder von weiteren Beschwerden begleitet wird, betrachte ich nicht nur das Haar.
In der ausführlichen Anamnese geht es unter anderem um:
den zeitlichen Verlauf des Haarausfalls,
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett,
Blutverlust und bekannte Laborwerte,
Ernährung und mögliche Mangelzustände,
Schlaf, Erschöpfung und Belastbarkeit,
Veränderungen der Haut und Kopfhaut,
weitere körperliche Beschwerden,
die emotionale Verarbeitung der Geburt und der neuen Lebenssituation.
Die homöopathische Begleitung wird anschließend individuell ausgewählt. Es gibt kein einzelnes „Mittel gegen Haarausfall nach der Geburt“, das für jede Frau gleichermaßen geeignet ist.
Wichtig ist mir außerdem, mögliche behandlungsbedürftige Ursachen nicht zu übersehen. Eine naturheilkundliche oder homöopathische Begleitung ersetzt daher keine notwendige ärztliche Diagnostik.
Fazit
Vermehrter Haarausfall einige Monate nach einer Geburt ist häufig ein normaler und vorübergehender Teil der hormonellen Umstellung. In den meisten Fällen wachsen die ausgefallenen Haare wieder nach.
Hält der Haarausfall lange an, ist er ungewöhnlich ausgeprägt oder treten weitere Beschwerden hinzu, lohnt sich ein genauerer Blick. Dann sollte geklärt werden, ob neben der hormonellen Umstellung beispielsweise ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenveränderung, starke Erschöpfung oder eine andere Belastung eine Rolle spielt.
Sie sind unsicher, ob Ihr Haarausfall noch im normalen Bereich liegt?
In einem kostenlosen Kennenlerngespräch können Sie mir kurz schildern, seit wann der Haarausfall besteht und welche weiteren Beschwerden Sie beobachten. Wir klären, ob eine Behandlung in meiner Praxis zu Ihrem Anliegen passt und welche medizinischen Untersuchungen gegebenenfalls vorher sinnvoll sind.